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Der Rotmilan: majestätisch und angepasst
Öffentlicher Vortrag von Dr. Patrick Scherler
Freitag, 6.2.2026, TZM Goldach

Ein fliegender Superstar
Wenn jemand mehr als 100 Leute zu einem Vortrag ins TZM lockt, muss es ein Grosser sein. Die Rede ist aber nicht vom Referenten selber. Dr. Patrick Scherler von der Vogelwarte ist bei uns nicht sehr bekannt, trägt zwar seinen guten Teil zum Abend bei. Der Star des Abends ist aber der Rotmilan selbst: majestätisch, angepasst und omnipräsent in Siedlung und Kulturland. Jede kennt ihn, jeder hat schon mal eine grossartige Begegnung mit diesem wunderschönen Greifvogel gehabt und trotzdem gibt er viele Rätsel auf.
Wieso tritt er so häufig auf in einer doch meist häufig ausgeräumten Landschaft?
Scherler versteht es bestens, auf alle mitgebrachten Fragen einzugehen und kann Erklärungen liefern, die überzeugen.
Ein Rotmilan ist ein sehr mobiler Vogel. Weil er auch im Winter zu sehen ist, sind wir überrascht, dass er doch als Zugvogel gilt. Seine Überwinterungsgebiete sind Frankreich und vor allem Spanien. Diese Strecken kann er in kurzer Zeit zurücklegen. Ausfliegende Jungvögel bleiben kurze Zeit im Revier, verlassen es aber bald. Rotmilane ziehen in grosser Zahl weg. Je älter die Vögel aber sind, desto eher bleiben sie auch im Winter hier und finden Nahrung. Gemeinsame Schlafplätze mit vielen Tieren sind keine Seltenheit. Die Revierdichte in der Schweiz ist einzigartig. Das weist auf ein reiches Futterangebot hin. Nicht selten gelingt es Milanen, sich auch an unseren Tischen zu bedienen. In Nestern wurden allerlei von Menschen zubereitete Nahrung gefunden. Zu seiner natürlichen Nahrung zählen Kleinsäuger, Vögel, Amphibien und Wirbellose wie Würmer.
Wieso geht es dem Rotmilan nun aber so gut in der Schweiz?
Die Vogelwarte liefert keine abschliessende Antwort. 4 Faktoren sind wichtig: gute Anpassung, hohe Dichte, tiefe Mortalität und Standorttreue.
Klar wird auch: Der Rotmilan war schon immer hier: Früher ganz selten in der Juragegend, dann fast ausgestorben, jetzt sehr häufig.
Als Kulturfolger ist er aber keineswegs ein Zeichen einer reichen Biodiversität und intakter Natur, wie oft falsch interpretiert oder gar behauptet wird.
Ein tolles Referat, reich illustriert mit vielen Bildern, mit fundierten wissenschaftlichen Ergebnissen, in sympathischem Berndeutsch vorgetragen verdient grossen Applaus und grossen Respekt für die wichtige Arbeit der Vogelwarte Sempach.
Joe Bischof, Februar 2026

















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