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vor 4 Stunden
3 Min. Lesezeit

Nistkastenreinigungstag

Samstag, 17. Oktober 2026


Die Wohnung noch vor dem Winter auf Vordermann bringen: Das tönt doch nach einer guten Absicht.

Genau diese Absicht verfolgen wir jedes Jahr, wenn wir uns treffen um auf den vier Touren die knapp 180 Nistkästen von BirdLife Goldach, Wohnungen von vielen Haussperlingen, Feldsperlingen, Blau- und Kohlmeisen, wenigen Trauerschnäppern und Kleibern rausmisten, kontrollieren und im schlimmsten und überraschenderweise immer häufigeren Fall reparieren oder ganz durch neue ersetzen.



«Das Buch der Vögel» von Morris und Macfarlane heisst ein 2026 neu erschienenes Werk, welches wir zum Anlass nehmen, die gut 20 Leute auf den Tag einzustimmen. Der Inhalt des Buches ist unterteilt in die sieben Vogelwunder: Nest, Ei, Schnabel, Gesang, Feder, Flug und Vogelzug.

In «Vogelwunder Nest» wird wunderbar beschrieben, was Nest bedeutet:

Zu nisten heisst zu vertrauen. Der Erde zu vertrauen, die Wurzel zu nähren, die den Stamm trägt, aus dem der Ast wächst, der die Mulde bildet, die das Geflecht aus Moos und Zweigen birgt, das das Nest formt, das – unter eine warme, pochende Brust gedrückt – das Ei umschliesst.

Nest ist Heimlichkeit, Nest ist Ruhe, Nest ist Zuflucht, Feste, ohne Furcht. Nest ist Schale, Kugel, Bau, Höhle oder Hort. Nest ist Weissstorchs Borstenkessel aus Bodenkrume und Stöcken auf einem Kirchturm. Nest ist Lerches Mulde in einer Wildblumenwiese oder Kiebitz Kratzkuhle im Strommastschatten. Nest geschieht fernab vom Menschenblick, und Nest lebt Menschen nahe. Nest ist Segen.

Wieder entdecken wir auf unseren verschiedenen Kontrollgängen Spannendes: Viele Nistkästen sind mit allerlei Nestern gefüllt. Es dominieren Moosnester der Meisen. Die Sperlinge füllen die Kästen randvoll mit Nistmaterial. Feldsperlinge benützen die Blütenstände von Schilfhalmen und füllen die Nistmulde am Schluss mit flaumigen Federn aus. Manchmal sind zwei Nester übereinander: unten ein Nest mit Moos, darüber Strohhalme. Wir fragen uns, was sich da wohl abgespielt hat. Haben die Sperlinge die Meisen einfach vertrieben? Wenn Laubblättter über ein Nest geschichtet sind, wissen wir: Da hat nach der Nestlings Zeit der Siebenschläfer die Nisthöhle als Untermieter belegt. Aus einem Kasten springen 4 Siebenschläfer: Sorry für die Störung. Wir schliessen wieder und hoffen, sie kehren zurück.



Sorgfältig reinigen wir mit Spachtel und Besen die Kästen, damit möglichst keine Milben und andere Schädlinge darin überwintern können. Was ist wohl passiert, dass in einem Nistkasten grade einige unbebrütete Eier zurückgeblieben sind oder dass von toten Vögeln nur noch das Skelett zu finden ist?

Sorge bereiten uns die Spechte, die viele unserer Nistkästen aufgehämmert haben. Schon unglaublich, wie die zu Werke gehen: Riesige Löcher sind in die Wände gehackt! Hier zeigt sich der Specht von seiner für uns unschönen Seite: Er raubt die Nester aus und macht die Kunsthöhlen unbrauchbar. Hier gilt das Gesetz der Natur! uns tuts weh, wenn wir uns vorstellen, wie das zu und her gegangen sein könnte.

Um Nachwuchs geht’s nicht nur bei den Gefiederten: Hansruedi Vögeli, der mit seiner Partnerin Susi Müller seit Jahren die Nistkastentour beim Schlossweiher betreut, möchte damit aufhören und in den wohlverdienten Nistkastenreinigungstourenruhestand treten. Jetzt schon möchten wir ihnen für ihre viele Stunden Arbeit danken, entlassen können wir sie erst, wenn Nachfolge gefunden ist.

Wie immer schön rechtzeitig um zwölf Uhr erwarten uns Fränzi und Ruedi Braunwalder zum Zmittag: Bänke und Tische sind aufgestellt, die Würste sind bereits lecker gebraten, das Bier kalt, das Brot knusprig, die Kaffeemaschine eingesteckt. So geniessen wir noch eine gemütliche Zeit zusammen, freuen uns über die feinen Kuchen von Lea und Priska und die feinen Äpfel der alten Sorte Wildmuser.

Der Höhepunkt des Anlasses bildet die Geburtstagsfeier für Magdalene. Zu ihrem 3. Geburtstag singen wir ihr mehrstimmig den Happy Birthday Song, die Ukulele soll uns gesanglich in der Spur halten. Magdalena zeigt uns wie schnell die Zeit vergeht: Erst gerade kam sie im Tragtuch von Mama und Papa als kaum jähriges Menschlein mit auf eine Exkursion am See, nun rennt sie herum und lässt sich fröhlich feiern.

Vielen Dank allen Helfern für den gelungenen Anlass, der wohl bereits zur Tradition geworden ist.

 

Joe Bischof

 
 
 

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