Storchenberingung in Kesswil

Am 16. Juni machte sich eine kleine Delegation von Birdlife Goldach auf den Weg nach Kesswil, um bei einer Storchenberingungsaktion durch die Organisation Storch Schweiz dabei sein zu können. Die Hebebühne der Feuerwehr Romanshorn war bereits vor Ort. Der Altvogel sass noch im Horst und beobachtete die Szene. Als sich die Hebebühne mit dem Feuerwehrmann und der Beringerin näherte, flog der Storch auf den Kamin des nahegelegenen Schulhauses. Ungestört konnten die drei Jungstörche beringt werden. Im Gegensatz zu früheren Jahren werden die Jungvögel nicht mehr zum Beringen nach unten geholt. Dadurch soll der Stress für Alt- und Jungvögel vermindert werden. Gleichzeitig verliert die Aktion für Interessierte aber an Attraktivität.


Aus der Broschüre von Storch Schweiz konnte entnommen werden, dass die Zahl der Brutstörche in der Schweiz jährlich um 10% zunimmt. Im Jahr 2020 konnten in unserem Land 1360 Brutvögel gezählt werden. Über die letzten vier Jahre zeigte sich eine Zunahme der Schweizer Population um 50%. Störche suchen sich immer neue Horstmöglichkeiten. Storch Schweiz stellt fest, dass immer mehr Leute an dieser Entwicklung keine Freude haben. Reklamationen über verschmutzte Sitzplätze und verstopfte Dachwasserrinnen häufen sich. Es sei nicht immer einfach, den Betroffenen klar zu machen, dass sie für mögliche Schäden selber aufkommen müssen, da der Weissstorch eine gesetzlich geschützte wildlebende Vogelart ist.


Interessantes gibt es zu den Zugbewegungen der Störche im Winter zu erfahren. Bis vor wenigen Jahrzehnten galten alle Altersklassen des Weissstorchs hauptsächlich als transsaharische Zugvögel. Seit den 1980er Jahren beobachtet man aber, dass ein zunehmend grösserer Teil der WestzieherPopulationen den Winter in Spanien verbringt. Mit einem Sender markierte Störche bestätigen das zunehmende Überwintern in Spanien. Vermehrt wird festgestellt, dass vorwiegend Altvögel in Spanien bleiben, im Gegensatz zu Jungvögeln.


Bei der 5. Winterzählung vom 9. Januar 2021, der fünften in Serie, konnte man feststellen, dass auch die Zahl der in der Schweiz überwinternden Störche weiterhin zunimmt. Es können Ansammlungen von 20 und mehr Störchen gesehen werden. Man geht davon aus, dass total über 800 Schweizer Störche hier überwintern. In der Fussacherbucht im Rheindelta zählte man 180 Störche und geht davon aus, dass unter diesen Vögeln mindestens 100 Schweizer Störche waren.


Es stellt sich die Frage, wie lange es noch dauert, bis die meisten Altvögel im Winter bei uns bleiben und wie sich die Jungvögel diesem veränderten Verhalten anpassen werden. Es ist wichtig, dass das Zugverhalten weiter genau beobachtet und analysiert wird. Beringung und Besenderung spielen dabei eine wichtige Rolle.


Herumliegende Abfälle sind ein gefundenes Plastikfressen für Störche und verursachen katastrophale tödliche Folgen. Eine Ursache hierfür könnte in ihrem breiten Beutespektrum liegen. Der Weissstorch frisst als Generalist jegliche Art von Beutetieren und auch Aas. Wenn ihm nun ein Gummiteil oder ein Plastikstück vor die Schnabelspitze kommt, wird dieses irrtümlicherweise ebenfalls gefressen oder den Jungtieren verfüttert. Der Weissstorch als Kulturfolger profitiert vielseitig von uns Menschen. Doch durch unseren unverantwortlichen Umgang mit Abfall, Plastik und Gummi wird der Storch Opfer unserer Wegwerfgesellschaft.


Mit einem angemessenen Beitrag aus der Vereinskasse unterstützten wir die Arbeit von Storch Schweiz, an diesem Anlass vertreten durch das Ehepaar Enggist, seit Jahrzehnten engagiert bei dieser Organisation dabei.


Auf dem Heimweg gab es bei einem Kaffeehalt Zeit für Kennenlernen und Austausch unter den Teilnehmern, was wir sehr schätzten. Wir freuen uns auf weitere Aktionen von Birdlife Goldach um mehr über die Vogelwelt zu erfahren.


Joe Bischof


Birdlife im Gespräch mit Herrn Enggist, Storch Schweiz


Feuerwehr Romanshorn mit Beringerin Frau Enggist beim Storchenhorst